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Warum es mit jungen Menschen mit Autismus häufig zu Konflikten im häuslichen Kontext kommt....

Eltern und/oder Sorgeberechtigte, dessen Kinder von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind, suchen sich häufig Unterstützung und Beratung, weil es im häuslichen Kontext immer wieder zu Konflikten kommt. In diesen neigen junge Menschen, oftmals nicht nur solche, die von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen sind, Wutausbrüche zu haben, wobei Gegenstände zu Bruch gehen, geschrien oder beleidigt wird. Teilweise wissen sich manche junge Menschen nicht anders als mit körperlicher Gewalt zu helfen, da ihnen die entsprechenden Handlungsstrategien noch fehlen oder sie diese noch nicht in die Praxis umsetzen können, obwohl sie über das dafür notwendige Handlungswissen verfügen. Warum kommt es aber vermehrt bei jungen Menschen, denen Autismus diagnostiziert wurde, zu solchen emotionalen Ausbrüchen? Menschen mit Autismus sind durch die Werte und Normen der Gesellschaft dazu gezwungen sich stets in sozialen Interaktionen anzupassen und teils ihre, durch den Autismus geprägte, Persönlichkeit zu unterdrücken. Viele Menschen mit Autismus nehmen Gerüche und Geräusche ungefiltert und vielerlei deutlich intensiver als Menschen ohne Autismus wahr. Ein Beispiel aus der Praxis: In einer Gruppenarbeitsphase in einer Schulklasse hört ein Mensch mit Autismus das Klicken eines einzelnen Kugelschreibers und empfindet dies als extrem störend, während die Unterhaltungen keinen Einfluss nehmen. Diese Lärmempfindlichkeit und die damit einhergehenden Gefühle wie Frustration oder Wut auszuhalten, benötigt viel Kraft und Ausdauer. Hinzu kommt, dass eine Symptomatik von Menschen mit Autismus ist, dass Verhaltensweisen wiederkehrend gezeigt werden. Erneut ein Beispiel aus dem Schulalltag: Ein Mensch mit Autismus empfindet Aufregung und hat zum Abbau dieser Gefühle die Handlungsstrategie entwickelt beim Schreiben richtig Geschriebenes immer wieder zu korrigieren. Eine Aufgabenbearbeitung dauert dadurch deutlich länger. Durch unser Schulsystem und die Erwartung, dass jemand mit eine Aufgabe erledigt haben muss, wenn die Mehrheit es auch hat, muss der Mensch mit Autismus die Verhaltensweise unterdrücken. Gleiches gilt für Tics, die häufig unterdrückt werden müssen, wie das Verbalisieren von Handlungsschritten oder Gedanken, was ebenfalls dem Abbau von Impulsen dient - die Anpassung kostet enorm viel Kraft. Menschen mit Autismus, meiden oftmals soziale Interaktionen fühlen sich in diesen unwohl, weil Vieles für sie nicht nachvollziehbar ist oder verstanden wird, was gemeint ist. Jedoch basiert Gesellschaft stets auf sozialen Interaktionen, unabhängig in welchen Systemen (Familie, Freunde, KiTa, Schule etc.), wodurch auch hier immer eine Anpassung stattfindet.

Dementsprechend kommt es im Elternhaus vielerlei zu Konflikten, da das Elternhaus ein geschützten Rahmen darstellt oder darstellen sollte, indem man so sein kann wie man ist. Aufgrund dessen kommen die unterdrückten Gefühle, Gedanken, Tics und wiederkehrenden Verhaltensweisen besonders im Elternhaus zum Tragen, wodurch innerhalb des Familiensystems Konflikte entstehen, die besonders für die Eltern und Sorgeberechtigten eine große Belastung darstellen. Jedoch sind diese auch für Menschen mit Autismus herausfordernd, weil sie die Impulse nicht mehr steuern können und sich damit einhergehend möglicherweise schlecht fühlen, weil sie den Konflikt nicht erzeugen wollten.

Wie bei allem ist auch hier zu beachten, dass es sich um Erfahrungsberichte und Annahmen aus der praktischen Arbeit handelt und jeder Mensch anders ist, dementsprechend kann nicht alles Beschrieben 1:1 übertragen werden, weder auf Menschen mit, noch auf welche ohne Autismus.

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